Tuffsteinhöhlen
Napoli Sotterranea (Ansicht auf dem Stadtplan)
Ein Ausflug in die geheimnisvolle Unterwelt Neapels sollte unbedingt zum Besichtigungsprogramm gehören, wenn man Neapel besucht.
Neapel ist großflächig unterhöhlt. Bis zu 40 m steigt man in die Tiefe des unterirdischen Neapel, wo sich ein Labyrinth von ca. 80 km aus gigantischen Höhlen und schmalen Gängen erstreckt.
Die Tuffsteinhöhlen stammen teilweise aus vorchristlicher Zeit. Bereits die Griechen nutzten im 4. Jh. v. Chr. den gut zu bearbeitenden gelben Tuffstein für den Bau ihrer Häuser.
Tuffstein ist vulkanischen Ursprungs und hat viele günstige Bauseigenschaften, er ist relativ weich und lässt sich damit gut abbauen und bearbeiten. Seine Porosität verleiht ihm gute Wärmedämmeigenschaften bei gleichzeitig geringem Gewicht.
Durch das Aushöhlen des Untergrundes für den Abbau der Steine entstanden Höhlen, die sich mit Regenwasser füllten. Was lag also näher, als Boden und Wände der Höhlen mit Zement zu versiegeln, um das Regenwasser in unterirdischen Räumen zu speichern.
So entstand schon zu römischen Zeiten ein Netz aus Zisternen, die einerseits als öffentliche Brunnen der Allgemeinheit Wasser spendeten, aber auch private Brunnen, die sich direkt unter den Häusern der Patrizier befanden und für fließendes Wasser im eigenen Haus sorgten.
Für die Reinhaltung der Brunnen in den Tuffsteinhöhlen gab es ein ausgeklügeltes System von Einstiegen und unterirdischen Wegen auf Wandabsätzen oberhalb der Wassergrenze, an denen sich die Brunnenarbeiter „Pozzari“ von Brunnen zu Brunnen hangelten und mit einem Großen sieb anfallenden oberflächlichen Schmutz abschöpften.
Die Einstiege waren genauso eng, wie es der Umfang eines schlanken Menschen erforderte und in die schornsteinartigen Röhren waren Stufen zum Klettern gehackt.
Wenn während einer Besichtigung das Licht gelöscht wird und sich alle Besucher ganz still verhalten, kann man erahnen, wie beängstigend es allein unter der pulsierenden Stadt von Neapel ist.
Im 2. Weltkrieg wurden die Tuffsteinhöhlen trockengelegt und als Luftschutzbunker ausgebaut.
Ein Labyrinth aus Gängen und Hallen führt durch die napoletanische Unterwelt.
Die Luftschutzkeller waren durch ein ausgeklügeltes Leitungssystem elektrisch beleuchtet. Im Falle einer Havarie übernahm ein Notstromsystem die Beleuchtung.
Die Hälfte der Bevölkerung Neapels, d.h. bis zu 200.000 Menschen, fanden während der Bombardements in den Luftschutzbunkern Platz.
Um einfliegende Bomben zu vermeiden, hatte man die ehemaligen Eintrittslöcher für das Regenwasser vorsorglich verschlossen, bis auf ein einziges, das sich in der Basilika San Lorenzo befand. Man rechnete nicht mit einer Bombardierung der Kirche. Ausgerechnet durch dieses eine Loch flog eine Bombe in den Luftschutzbunker.
Glücklicherweise handelte es sich um einen Blindgänger. Der Verlust an Menschen durch die Explosion und deren Druckwelle wäre ansonsten enorm gewesen, konnte sich doch eine Druckwelle nur innerhalb eines geschlossenen Systems ausbreiten.
In den Hallen des unterirdischen Systems sind noch die Spuren der Menschen, die hier wohnten, sichtbar.
Gut erhalten sind die Gravierungen an den Wänden der Höhlen, die von den Sehnsüchten und Ängsten der Schutzsuchenden während der Bombardements erzählen. Spielzeug für die Kinder diente dem Zeitvertreib. Sogar ein Separée wurde eingerichtet, in dem frisch vermählte Paare ihre Hochzeitsnacht verbringen konnten.
Zeitzeugen führen die Besucher während einer Führung durch das System der unterirdischen Gänge und Hallen und erzählen Geschichten und eigene Erlebnisse.
Mehrere unterschiedliche Organisationen bieten Führungen durch das unterirdische Neapel - "Napoli sotteranea" an.
Die Zugangspunkte zu den Führungen zu „Napoli Sotterranea“ befinden sich an mehreren Punkten über die Stadt verteilt.
Zugang in Via Tribunali neben der Basilika in Piazza San Gaetano, 68
Verein ONLUS
Führungen:
täglich 10:00, 11:00, 12:00, 13:00, 14:00, 15:00, 16:00, 17:00, 18:00
(Donnerstag 21:00 Uhr nach Anmeldung bei einer Mindestteilnehmerzahl von 5 Personen)
Treffpunkt in Piazza San Gaetano, 68
Führung in italienisch u/o englisch
Andere Sprachen und Gruppen mehr als 10 Personen nach Anmeldung
Dauer der Führung ca. 2 Stunden
www.napolisotterranea.org
Treffpunkt für diese Führungen ist vor der Bar Gambrinus in Piazza Trieste e Trento
Verein LAES
Führungen:
Donnerstag 21:00 Uhr
Samstag 10:00, 12:00 und 18:00 Uhr
Sonntag und Feiertag 10:00, 11:00, 12:00 und 18:00 uhr
Treffpunkt in Piazza Trieste e Trento - (vor der Bar Gambrinus)
Führung in italienisch
Dauer der Führung 60 min
Keine Anmeldung erforderlich
Der Zugang zu den Tuffsteinhöhlen beginnt im Spanischen Viertel in Via Sant'Anna di Palazzo
www.lanapolisotterranea.it
Im 19. Jh. haben die Bourbonen einen unterirdischen Tunnel bauen lassen, der den Piazza del Plebiscito mit dem Stadtteil Chiaia verbindet. Dieser Tunnel konnte vom König, der im Palazzo Reale gewohnt hat, sowohl als Fluchtweg zum Meer als auch von seinen Soldaten als schneller Zugang zur Verteidigung des Palastes genutzt werden.
Associazione Culturale Borbonica Sotterranea
A) Vico del Grottone, n°4 (a circa 100 m da Piazza Plebiscito),
B) Via Morelli, n°40 (ingresso pedonale del Parcheggio Morelli).
Besichtigungen:
Freitag, Samstag, Sonntag, Feiertag
Beginn: 10:00, 12:00, 15:30,17:30 Uhr
Dauer: 1 Stunde 15 min
Führung in italienisch
Andere Sprachen und Gruppen mehr als 10 Personen nach Anmeldung
www.tunnelborbonico.info